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Golf Magazin - 06/2005

Walther von der Vogelweide, deutscher Popstar im Mittelalter, war hier heimisch, Nobelpreisträger Wilhelm Conrad Röntgen, der die gleichnamigen Strahlen entdeckte, war es auch. Glückliche Stadt: Für jeden der 52 Sonntage des Jahres gibt es eine Kirche. Für jeden der 365 Tage des Jahres eine „Weinstubb". Und für schöne, unzählige Golfrunden? Nun, dafür gibt‘s den Golf Club Würzburg...
„Wir sind wahrscheinlich einer der zentrumnahsten Golfkurse der Bundesrepublik", sagt Alexander Sälzler stolz. Womit der Clubmanager nicht übertreibt: Wie gemalt räkelt sich die 56 Hektar große Anlage über die früher landwirtschaftlich genutzte Fläche an der Giebelstädter Steige, keine zehn Minuten vom Zentrum der Stadt mit der legendären Maximilian Universität entfernt. Das Gelände ist erweiterte Wasserschutzzone. Es verfügt über drei künstliche Seen und mehr als 500 Bäume und 4.000 Sträucher. Eigene Tiefbrunnen versorgen computergesteuert die Fairways, Grüns und Abschläge mit Wasser. Die ersten neun Löcher wurden 1994, das Clubhaus 1997 fertiggestellt. „Wir wollten 18 völlig unterschiedliche Spielbahnen und vom Clubhaus einen freien Blick aufs 18. Grün", so Vizepräsident Bernhard May (Hcp 5). Wünsche, die der deutsche Golfplatzdesigner Karl F. Grohs von der Deutsche Golf Consult aus Essen den Würzburgern gerne erfüllte. Und mehr noch: Blicke auf die Festung Marienberg und die malerischen Weinberge gibt es als Extra ohne Aufpreis. Ohnehin unbezahlbar sind Engagement und Herzblut, das Präsident Rudi May investiert hat. Er sorgte dafür, dass aus dem verrückten Einfall, in Würzburg einen Golfclub zu bauen, Wirklichkeit wurde.

Rudi May, Initiator des Projektes, ist der Investor und Betreiber der Golfanlage. „Ich war der Überzeugung, dass eine Stadt von der Größe Würzburgs eine Golfanlage benötigt", sagt der Chef. Ein prima Idee, die allerdings 18 Jahre bis zur Verwirklichung brauchte. Man kann den Stolz und die Genugtuung verstehen, die Rudi May empfand, als 2002 die 18 Löcher komplett waren. Die im Stadtgebiet liegende Golfanlage ist nicht das einzige Plus: Der Club ist so gut wie konkurrenzlos. Mainsondheim, der nächstgelegene Club, ist eine halbe Autostunde entfernt, genauso weit wie der amerikanische Golfclub in Kitzingen oder der GC Main- Spessart.

Doch wer in und um Würzburg etwas auf sich hält, für den gibt es ohnehin nur den GCW als Adresse. Deshalb versucht man nicht über den Preis, sondern über die Qualität Mitglieder zu werben.
„Wir verstehen uns als Club und Dienstleistungsunternehmen. Wir haben mehr als 500 Mitglieder. Viele Familien mit Kindern - achten Sie auf den Kinderspielplatz in der Nähe des Clubhauses - sind darunter.
„Wir sind ein junger Club, das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren", sagt Alexander Sälzler. Auf Qualität setzt auch der Service. Die Liste der guten, professionellen Betreuung fängt an bei Restaurantchef Franco Federico: Er führt das Geschäft mit Wintergarten, großer Terrasse und abwechslungsreicher Küche vom Osterbrunch bis zum italienischen Abend in eigener Regie. Die Liste setzt sich fort über die erfahrenen Pros Christian Dyrda und Stuart Bannerman und das Greenkeeping-Team um Head-Greenkeeper Marius Cazan. Und diese Aufzählung ist mit Clubmanager Alexander Sälzler und Clubsekretärin Ulrike Thoma sowie Franka Colsman noch längst nicht zu Ende. Weil ein ganz Wichtiger fehlt: der Sheriff von Würzburg, Platzmarschall Erich Schnupp. Mit großer Leidenschaft kümmert sich Erich um den Verkehr auf dem Platz. Er hat Interessantes zu erzählen, z. B. die Geschichte von den Kois: Vor ein paar Jahren waren die Japaner auf der Landesgartenschau in Würzburg. Nach der Veranstaltung schenkten sie dem Club die wertvollen Karpfen. „Wir haben die Fische im Teich an Loch 9 eingesetzt", sagt Erich Schnupp.

Vom legendären Abschlag 3 hat man einen fantastischen Blick auf die Festung Marienberg und die herrlichen Weinberge mit der Spitzenlage Würzburger Stein. „Manchmal stockt der Spielbetrieb, weil sich viele nicht satt sehen können", so Schnupp. Staus auf der Autobahn 3 dagegen sind ihm recht. „Es gibt Leut', die darin stecken bleiben, spontan zu uns kommen - und dann immer wiederkehren", sagt er stolz. Leut' wie Kaiser Franz Beckenbauer z. B., beim Zehnjährigen Ehrengast. Oder Tenor Peter Hofmann, der als Phantom der Oper weltberühmt wurde. Hofmann bedankte sich mit einem Brief für die tolle Aufnahme und die schöne Runde. „Dankschreiben aus aller Welt", die eigentlich Erich Schnupp verdient hätte...

Ein weiterer markanter Punkt des Platzes ist Abschlag 11. Von hier (Par 4, 386 m) muss man mehr als 120 Meter carry über eine Schlucht spielen, in der Obstbäume stehen. „Mein Lieblingsloch. Und was Sie da unten glitzern sehen, sind entweder Gänseblümchen oder verlorene Bälle", schmunzelt Schnupp. Oder ein Rehkitz, das sich ins Gras drückt. Die gesamte Anlage ist ein Refugium für Wildtiere. Auf der 14 (Par 5, 487 m), die ständig aufwärts geht, gibt‘s auf halbem Weg die St. Andrews-Brücke von Würzburg - oder sollte man sagen die Seufzerbrücke von Würzburg?

Die 15 (Par 4, 385 m) ist ein fantastisches Downhill-Dogleg. Die Löcher 7 (Par 4, 382 m) und 16 (Par 5, 459 m) laufen parallel bergan. Was so manchen Schlawiner auf die Idee bringt, die kürzere Route zum 16. Grün (gemeinsam mit der 9 das einzige Doppelgrün des Platzes und schnell wie alle anderen 16 Grüns) über das 7. Fairway zu nehmen. „Nicht mehr lange. In drei Jahren sind die Bäume so hoch, da kommt keiner mehr drüber", ist der Sheriff sicher. Der GCW ist sehr sportlich. Damen wie Herren spielen in der Oberliga. Pro Jahr finden etwa 60 Turniere statt. Top-Events sind der DSV Mozart Golf-Cup, der Mercedes Cup oder der „Ryder Cup": Da spielen die vom linken Mainufer gegen die vom rechten...

Im Clubhaus prangen die Namen der Ass-Schützen, u. a. die von Loch 17. Als man früher nur neun Löcher hatte, war das ein 156 m langes Par 3. Heute ist die 17 ein Par 4 von 294 m Länge. Da kriegen unbedarfte Gäste große Augen! „Wir verraten es nicht, sie müssen schon selber draufkommen", schmunzelt Erich Schnupp. Soviel Engagement muss sein: Auf diesen Platz, auf diesen Club muss jeder selber kommen...

Text: Ralf Klinkenberg und Stefan Heigl (Fotos)